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Karona

Administrator

Beiträge: 28489


New PostErstellt: 27.12.11, 19:08     Betreff: Re: tägliche Grüßchen und so, eben einfach nur so ... 2011


Der überführte Weihnachtsmann
*
Eine Ermittlungsakte vom 24.12.2011
*
Punkt 15.00 Uhr klingelte es wie vereinbart und erlöste 
uns, Charly und mich, aus der Warteschleife. Flugs ging es 
nach Stockelsdorf, einer an Lübeck angrenzenden Gemeinde. 
Natürlich wurden wir schon erwartet. Nun gab es erst einmal 
Kaffee und Kuchen. Als das Gespräch auf den Weihnachtsmann 
kam erklärte uns die Siebenjährige, dass sie sich mit dem 
Busfahrer unterhalten hätte und er meinte, dass der Weihnachtsmann 
bestimmt ein Nachbar sei. Jetzt war das erste Mal grübeln 
angesagt. Als dann, noch bei Tageslicht, ein Flugzeug mit 
Kondensstreifen sichtbar wurde erzählte ich, dass dort 
bestimmt der Weihnachtsmann drin sitzt und einen Landeplatz 
sucht. Das nahm die Kleine erst einmal so hin. 

Bevor ich zur Verkostümierung ging wurde ihr erzählt, 
dass ich eine Freundin besuchen müsste, aber Charly bleibt, 
weil diese auch einen Hund hätte und der etwas giftig sei. 
Laut Absprache durfte ich dann eine Wohnung im Erdgeschoss 
nutzen, um die Umzieherei zu bewerkstelligen. Zügig schlüpfte 
ich in den Mantel und war froh, dass ich Gummistiefel dabei 
hatte. Letztes Jahr wurde uns nämlich erklärt, dass der 
Weihnachtsmann auch solche Stiefel wie ich angehabt hätte. 
Flugs waren die Augenbrauen angeklebt und verschönerte ein 
wallender Bart mein Antlitz. Die Tarnung sollte eigentlich 
ausreichend sein. Natürlich versteckte ich mich weitestgehend 
in der Mantelkaputze.

Nachdem die zahlreichen Päckchen verstaut waren ging es vor 
die Haustür.  Eigentlich sollte die kleine Lady mich ja 
einlassen. Vielleicht war mein Klopfen zuvor doch ein wenig 
zu laut, denn sie soll wohl Angst bekundet haben und kam 
deshalb nicht selber. Die Holztreppe hinauf waren die 
stampfenden Geräusche, von meinen Weihnachtsmanngummistiefeln, 
ein richtiger Programmknüller. Auch für mich. 

Gefasst stand die Lina kurz darauf vor mir und streifte mich 
mit etwas misstrauischen Blicken. Das Gedicht sagte sie 
voller Begeisterung auf, ihre erwartungsvollen Augen dabei 
auf meine Mitbringsel gerichtet.  Endlich, ein Befreiungsschlag 
für sie, gab es dann die Geschenke.  Nur wenige Minuten später 
verkündete ein großer Haufen Packpapier davon, dass der 
Weihnachtsmann da gewesen sein muss.

Zum anstehenden Gänsebraten zog ich mich wieder um.  Der war 
schon eine Weile verspeist, als an mich das Wort gerichtet 
wurde. Das vor nicht allzu langer Zeit bescherte Kind meinte: 
„Das warst du Katrin, ich habe dich an deinen bemalten Augen 
erkannt“. In der darauf folgenden Stille hätte man Fliegen husten 
hören können. Ob es noch etwas nutzte, dass wir ihr ihre 
Erkenntnis ausreden wollten, ist nicht nachweisbar. 

Nächstes Jahr ist der Weihnachtsmann jedenfalls gestrichen, 
denn einem Zweitklässler kannst  nix mehr von Osterhasen 
und Weihnachtsmännern erzählen, ohne dass ein Busfahrer die 
Nachbarn ins Gespräch bringt.

*
Packpapier soweit das Auge reicht. 


Friedvolle Stille und reiner Weihnachtsgeschenkegenuss.



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